Bernhard Kraut
Satzbuch der Tage des Herrn Underberg
Herr Underberg ist ein akademisch gebildeter Mann, der in der Welt viel unterwegs ist, und er rechnet es sich hoch an, alle seine Titel unösterreichisch zu verschweigen. Niemals würde es Herrn Underberg einfallen, über eine Aussage in der »Neuen Kronen Zeitung« nachzudenken. Diese Groschenmeinungen, sagt Herr Underberg, beleidigen seine Intelligenz und pöbeln seinen Humanismus an. Hingegen freut sich Herr Underberg auf die tägliche Lektüre des, wie er es ironisch gern nennt: nahezu unpolitischen Tagebuches in der »Wiener Zeitung« von Dr. Andreas Unterberger; denn in ihm sieht Herr Underberg einen geliebten Verwandten im Geiste, dessen Analysen es wohl wert sind, bedacht zu werden.

16.03.

21.03.

29.03.

19.04.

20.04.

27.04.

01.05.

11.05.

13.05.

14.05.

17.05.

19.05.

21.05.

26.05.

31.05.

11.06.

15.06.

18.06.

22.06.

24.06.

02.07.

06.07.

09.07.

16.07.

26.07.

08.09.

24.09.

27.09.

06.10.

08.10.

09.10.

20.10.

21.10.

26.10.

28.10.

01.11.

09.11.

10.11.

12.11.

15.11.

16.11.

18.11.

19.11.

22.11.

02.12.

06.12.

11.12.

14.12.

21.12.

26.12.

27.12.

Menschgemäß zählen zur täglichen Lektüre von Herrn Underberg weitere inländische, aber auch ausländische Zeitungen. Jedoch äußerst selten bis gar nicht kommt es vor, daß Herr Underberg bei einem anderen Glossisten als Herrn Dr. Andreas Unterberger einen Satz findet, für den es sich lohnt, so sagt er, innezuhalten, um diesen abschreibend zu würdigen und mit weiteren Über- legungen zu bekräftigen.

Herr Underberg hält sich nicht mit Betreffzeilen auf, die sind um der guten Gliederung willen von mir, der die Diktate des Herrn Underberg tippt.

Eines Tages werde er, sagt Herr Underberg, daraus ein Buch machen; das werde dann der rechte Zeitpunkt sein, um meine Abschriften zu korrigieren. Herr Underberg will damit nicht sagen, daß ich zu viele Fehler mache. Er sei mit mir durchaus zufrieden. Bloß, gerade bei Interpunktion und Silbentrennung, fehle das natürliche Gespür für Feinheiten. Das sei Herrn Underberg aber verständlich: schließlich ist meine Muttersprache nicht Deutsch.

Da ich schon die Überschriften herausschäle, wehre ich nicht sonderlich groß die Idee ab, für mich selbst mit einem Heft in Österreich zum Satzbuch des Herrn Underberg zu beginnen.

Es wird mir möglicherweise helfen können, in den Abschriften Grobheiten zu vermeiden.