im Nebel der ausgehellten Nacht

Auszug aus der Besprechung
von Mag. Doris Kittinger

B. K. erzählt uns hier keine Geschichte – nein, es sind mehrere, fragmentarisch nur, und doch hat man das Gefühl, teilweise mittendrin in ihnen zu stehen.

Der Autor spielt mit der Neugier des Lesers – da ist von Verbrechen und Protokollen die Rede, schon ist man gespannt auf die Sensation, die allerdings nie kommt. Und doch lässt uns das Buch nicht enttäuscht zurück, der Leser bekommt dafür Anderes, Unerwartetes.

Trotz dieser formal immer weitergehenden Auflösung des Textes wird der Inhalt nun immer fassbarer, nicht die Handlung wird zum Interesse des Lesers, sondern der emotionale Inhalt, in den er mit hinein gezogen wird, der ihn erfasst wie einen Sog. Die Geschichte einer Liebe, teils wirklich liebevoll, teils verstohlen-versteckt liebevoll, schroff und verkorkst auf der anderen Seite. Leben wird dem Buch eingehaucht, je weiter es fortschreitet.

B. K.’s Buch ist durchaus lesenswert, das Lesen ist gleichzusetzen mit einer Reise in unfassbare Räume, in alltägliche Gedanken(fetzen), in skurrile Innenwelten, in vielfältige sprachliche Ausdrucksformen. Der Beginn mit den Briefen des Verlegers Heym lässt zuallererst Schlimmstes ahnen, die Sprache ist hier sehr verspielt-maniriert, voller außergewöhnlicher Wendungen und Metaphern, neue Wörter werden kreiert, das Ganze wirkt etwas zu sehr kunstvoll – doch ehe man ob des oftmaligen zweimal-Lesen-Müssens von Sätzen oder Satzteilen erste Stoßseufzer loslassen möchte, ändert sich der Stil zu eben dem bruchstückhaft-lässig dahinfließend und abwechselnd stockendem, den wir an diesem Buch so schätzen! Gleichzeitig wird der Leser ausgehend von der großen Distanz aufgrund der Künstlichkeit der Sprache immer mehr hineingezogen in den Text und in eine vordergründig nicht zu erkennende, aber spürbare Emotionalität.